Öffentliche Stellungnahme zur politischen Debattenkultur im Dreisamtal und zum Umgang mit abweichenden Meinungen.
In den vergangenen Tagen wurde mir zugetragen, dass in lokalpolitischen Gesprächen und nichtöffentlichen Runden offenbar über meine Person gesprochen wurde. Dabei soll der Eindruck vermittelt worden sein, ich würde als Einzelperson den Ausbau von Windkraftanlagen im Dreisamtal behindern, gezielt politische Prozesse beeinflussen und dabei Vorlagen oder Argumentationshilfen aus einem demokratiefeindlichen oder parteipolitisch rechten Umfeld verwenden. Zwischen den Zeilen wurde offenbar sogar die Nähe zur AfD angedeutet.
Ich halte es für bemerkenswert, dass man einem einzelnen Bürger einen derart großen Einfluss zuschreibt. Offenbar traut man ihm zu, durch das Stellen von Fragen, das Lesen von Unterlagen, das Beantragen von Akteneinsichten und das Benennen von Widersprüchen kommunale Prozesse ins Wanken zu bringen. Wenn das tatsächlich so wäre, müsste man sich vielleicht weniger über den Bürger Gedanken machen als über die Belastbarkeit der eigenen Argumente.
Vor allem aber stellt sich eine grundsätzliche Frage: Was sagt es über unsere demokratische Kultur aus, wenn Menschen, die von ihrem Recht auf Mitwirkung Gebrauch machen, nicht mehr über ihre Inhalte definiert werden, sondern über politische Zuschreibungen?
Ich habe mir diese Rolle nicht ausgesucht. Es wäre für mich deutlich einfacher, zu schweigen. Ich könnte mich zurücklehnen, mich nicht einlesen, keine Akten anfordern, keine Gutachten auswerten und keine unangenehmen Fragen stellen. Ich würde mir Zeit, Energie und persönliche Angriffe ersparen. Das wäre der entspannte Weg.
Doch ich sehe immer weniger Menschen, die bereit sind, genau diese unbequemen Fragen noch zu stellen.
Es gibt offenbar noch Bürger, die sich ohne persönlichen Vorteil, ohne finanzielle Interessen und ohne institutionellen Auftrag für Natur, Landschaft und ihre Heimat einsetzen. Menschen, die ihre Freizeit investieren, hunderte Seiten von Unterlagen lesen, historische Planungsunterlagen auswerten und sich die Mühe machen, Widersprüche offenzulegen. Nicht, weil sie einer politischen Agenda folgen, sondern weil sie der Überzeugung sind, dass unsere Natur und unsere Heimat eine Stimme brauchen.
Ich verstehe mich nicht als Anwalt. Aber wenn diejenigen, die eigentlich die Interessen von Natur und Landschaft vertreten sollten, zunehmend schweigen oder politische Zielvorgaben über den Schutzgedanken stellen, bleibt manchmal nichts anderes übrig, als diese Aufgabe als engagierter Bürger mit zu übernehmen.
Besonders irritierend finde ich, dass auf die eigentlichen Inhalte häufig kaum eingegangen wird. Im Zusammenhang mit dem sogenannten „Fake-News“-Vortrag habe ich auf den Beutelsbacher Konsens hingewiesen – einen Grundsatz demokratischer politischer Bildung, der verhindern soll, dass Menschen überwältigt oder einseitig beeinflusst werden. Das ist weder „rechts“ noch „AfD-nah“. Es ist ein demokratisches Prinzip.
Ebenso verhält es sich mit meiner Kritik an konkreten Windkraftprojekten. Ich habe historische Regionalplan-Unterlagen zitiert, frühere naturschutzfachliche Bewertungen offengelegt und Fragen zu Landschaftsschutz, Artenvielfalt, Quellen, Wasserhaushalt, Erholungswert und tatsächlicher Wirtschaftlichkeit gestellt. Ich habe nach Gutachten gefragt und die Veröffentlichung von Grundlagen eingefordert. All das sind keine politischen Kampfbegriffe, sondern legitime Bestandteile einer sachlichen Auseinandersetzung.
Wer stattdessen versucht, kritische Bürger durch politische Etiketten einzuordnen, verlässt die Sachebene. Die eigentliche Diskussion wird ersetzt durch den Versuch, die Glaubwürdigkeit desjenigen anzugreifen, der die Fragen stellt.
An dieser Stelle lohnt sich auch ein Blick auf die Worte eines Mannes, der wie kaum ein anderer für einen unabhängigen Naturschutz stand: Enoch zu Guttenberg. Der Mitbegründer des BUND und spätere Ehrenpräsident des Vereins für Landschaftspflege, Artenschutz und Biodiversität (VLAB) warnte früh davor, Natur gegen Natur auszuspielen und Landschaftsschutz politischen Zweckmäßigkeiten unterzuordnen. Er sagte:
„Die Aufgabe von Naturschützern ist, die Natur zu schützen. Nicht mehr und nicht weniger.“
An anderer Stelle formulierte er:
„Wenn wir anfangen, die Natur danach zu bewerten, ob sie unseren jeweiligen politischen Zielen nützt, dann haben wir aufgehört, Naturschutz zu betreiben. Dann betreiben wir Interessenpolitik.“
Genau diese Frage stellt sich heute auch am Ottenberg. Geht es noch um eine ergebnisoffene Abwägung zwischen unterschiedlichen Schutzgütern – oder stehen die politischen Ausbauziele bereits fest, während Natur-, Landschafts- und Artenschutz nur noch nachrangig behandelt werden? Wer diese Frage stellt, lehnt weder Klimaschutz noch technische Entwicklungen pauschal ab. Er erinnert vielmehr daran, dass Naturschutz seinen ursprünglichen Auftrag nicht verlieren darf: die Natur zu schützen – unabhängig von Zeitgeist, wirtschaftlichen Interessen und politischen Mehrheiten.
Gerade im Dreisamtal, das sich gern als weltoffen, demokratisch und plural versteht, sollte es möglich sein, unterschiedlicher Meinung zu sein, ohne Menschen öffentlich zu markieren oder unter Generalverdacht zu stellen. Eine lebendige Demokratie lebt nicht vom Gleichklang. Sie lebt davon, dass unterschiedliche Perspektiven gehört werden, dass Argumente geprüft und dass Entscheidungen transparent begründet werden.
Wer meine Argumente kritisieren möchte, ist herzlich eingeladen, dies im direkten Austausch zu tun. Wer hingegen lieber über Personen spricht, statt sich mit deren Inhalten auseinanderzusetzen, offenbart vor allem die Schwäche der eigenen Argumentation. Dass ich meine Positionen offen, transparent und mit überprüfbaren Quellen vertrete, ist kein Grund zur Diffamierung, sondern ein selbstverständliches demokratisches Recht.
Ich habe weder eine Parteimitgliedschaft noch einen politischen Auftrag. Ich spreche für keine Organisation. Ich bin Bürger dieser Region und empfinde Verantwortung gegenüber einer Landschaft, die viele von uns lieben und die nicht beliebig austauschbar ist.
Der Schwarzwald ist kein Industriegebiet.
Er lebt von seiner Natur, seiner Vielfalt, seinen Quellen, seinen Wäldern und seiner besonderen Landschaft. Wer diese dauerhaft verändert, trägt Verantwortung gegenüber kommenden Generationen.
Und wer Bürger, die auf diese Verantwortung hinweisen, pauschal als „rechts“, „AfD-nah“ oder Teil einer angeblichen Kampagne bezeichnet, verweigert letztlich die inhaltliche Auseinandersetzung.
Vielleicht sollten wir wieder lernen, uns mit Argumenten auseinanderzusetzen – statt mit Etiketten.
Denn Demokratie bedeutet nicht, dass alle derselben Meinung sein müssen. Demokratie bedeutet, dass auch unbequeme Fragen gestellt werden dürfen, ohne dass diejenigen, die sie stellen, öffentlich stigmatisiert werden.
Mit freundlichen Grüßen
Adrian Kempf
Adrian Kempf
Römerweg 34
79199 Kirchzarten Burg
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© Adrian Kempf, Kirchzarten im Dreisamtal,
„Gerade im Dreisamtal, das sich gern als weltoffen, demokratisch und plural versteht, sollte es möglich sein, unterschiedlicher Meinung zu sein, ohne Menschen öffentlich zu markieren oder unter Generalverdacht zu stellen.“
Bereits 1995 zur spektakulären WM (die Älteren erinnern sich) und darauffolgend der irre Bürgerentscheid zum Thema Giersberg hat(te) sich in dieser Gemeinde ein schlimmer ideologischer Sumpf gebildet, der von Weltoffenheit meilenweit entfernt war und bis heute etabliert ist.
Wir lebten1995 bis 2003 in Kirchzarten und lernten aus der Sportszene heraus Vieles persönlich kennen, was den Ort hätte bereichern können. Doch schon damals (!) musste ich (mit)erleben, dass man eine regelrechte ideologische und persönliche Hetzjagd in dieser Gemeinde gegen die Menschen veranstaltete, denen das Wohl der Gemeinde am Herzen lag und bereits damals „die Welt nach Kirchzarten bringen wollten“. Zumindest aus sportlicher Sicht.
In der Covidzeit 2020 bis heute erleb(t)en Viele wieder diesen dumpfen Brei an bürgerlichen Ideologen und Hetzer, die sich nun an jenen bis heute reiben, die mit ihrem bürgerlichen Engagement gegen den Schaden durch die Windkraft unpolitisch aufklären. Der Lohn etwa ist nicht Interesse, Aufmerksamkeit und Zustimmung der Bürgerschaft. Ich bin mir sicher, dass ein Adrian Kempf heute auch keine maßgebliche Anzahl an Mitstreitern an seiner Seite hat.
Was man in ganz Deutschland in der dunklen Zeit vor 1945 mit markierten Systemfeinden getan hat (die das Parteibuch eben nicht lebten) wiederholt sich nun mit neuen Themen auf aktuellisierte Art und Weise und in der gleichen Boshaftigkeit hinter biederen Gesichtern.
Ich verachte deshalb heute noch stärker als damals die Selbstbefriedigung und Ausgrenzungsarbeit derjenigen, die sich „in dunklen Hinterzimmern“ und „kleinen Kreisen“ treffen und beraten, wie man bürgerliche Quertreiber am Wirkungsvollsten „eliminiert“.
Ich habe und werde aus all der Zeit in dieser Gegend gar nichts vergessen, denn es lehrt mich nachdrücklich, dass die politischen Ereignisse vor1945 eben nicht auf das ferne Berlin begrenzt waren, sondern in der bürgerlichen Keimzelle jedes Ortes, jeder Gemeinde ihren Rückhalt hatten.
Von Demokratie, Freiheit, Weltoffenheit und offener Diskussionskultur jedenfalls ist diese Gemeinde jedenfalls m.M. nach weit entfernt.
Lieber Wolfgang,
vielen Dank für Deine offenen Worte. Ehrlich gesagt habe ich nur sehr wenige Menschen an meiner Seite. Die meisten schweigen, ziehen sich zurück oder möchten mit solchen Themen verständlicherweise nichts zu tun haben. Der einfachere Weg wäre auch für mich, den Mund zu halten und die Dinge geschehen zu lassen.
Ich freue mich nicht darüber, zu polarisieren. Das war nie mein Ziel. Ich sehe nur, dass sich immer weniger Menschen öffentlich für die Natur einsetzen, wenn es unbequem wird. Deshalb habe ich für mich entschieden, wenigstens Fragen zu stellen und auf Widersprüche hinzuweisen – auch wenn das nicht jedem gefällt.
Manchmal denke ich, dass wir die Folgen vieler Entscheidungen erst in einigen Jahrzehnten wirklich erkennen werden. Dann werden unsere Kinder und Enkel sauberes Trinkwasser ohne PFAS, ohne Mikroplastik und ohne weitere Ewigkeitschemikalien einfordern. Sie werden fragen, warum Quellen belastet sind, warum bestimmte Stoffe überall nachweisbar sind und weshalb niemand früher genauer hingeschaut hat. Sie werden vielleicht erstaunt feststellen, dass die Weichen dafür nicht erst dann gestellt wurden – sondern heute.
Vielleicht irre ich mich in manchen Punkten. Aber ich möchte mir später nicht vorwerfen müssen, geschwiegen zu haben, obwohl ich Zweifel hatte und Fragen stellen konnte. Vorsorge bedeutet für mich, Probleme anzusprechen, bevor sie unumkehrbar geworden sind – nicht erst dann, wenn der Schaden bereits eingetreten ist.
Herzliche Grüße
Adrian