Der Physik-Nobelpreisträger John F. Clauser analysiert Originaldaten, kritisiert Klimamodelle und fordert gemeinsam mit mehr als 2.000 Unterzeichnern der World Climate Declaration eine stärkere Orientierung an überprüfbaren Messdaten statt an Modellprojektionen.

Wie belastbar sind die wissenschaftlichen Grundlagen der internationalen Klimapolitik?

Der Physik-Nobelpreisträger John F. Clauser, Träger des Nobelpreises für Physik 2022, erhob auf der 17. Internationalen Klima- und Energiekonferenz (IKEK) in Halle erhebliche Vorwürfe gegen den Weltklimarat (IPCC). Nach seiner Auffassung beruhen zentrale Aussagen über eine bevorstehende Klimakrise auf Dateninterpretationen und Klimamodellen, deren wissenschaftliche Aussagekraft überschätzt werde. Seine vollständige Präsentation trägt den Titel „Global warming, climate change, and scientific consensus have not been proven. There is no proven climate crisis.“ (Heartland Institute, 2026).

Clauser gehört außerdem zu den Botschaftern der World Climate Declaration der niederländischen Stiftung Climate Intelligence (CLINTEL). Diese Erklärung wurde inzwischen von mehr als 2.000 Wissenschaftlern und Fachleuten aus zahlreichen Ländern unterzeichnet. Darin heißt es wörtlich: „There is no climate emergency.“ Gleichzeitig fordern die Unterzeichner, Klimawissenschaft müsse weniger politisch und Klimapolitik deutlich wissenschaftlicher werden. Wissenschaftler sollten Unsicherheiten ihrer Modelle offen benennen, während politische Entscheidungen stärker auf empirischen Beobachtungen als auf Modellprojektionen beruhen sollten (Quelle: World Climate Declaration, Clintel.nl).

Die Erklärung kritisiert insbesondere, dass Klimamodelle in der öffentlichen Debatte häufig wie gesicherte Vorhersagen behandelt würden. Tatsächlich seien Computermodelle immer das Ergebnis menschlicher Annahmen, Parametrisierungen und Programmierungen. Was ein Modell berechnet, hänge vollständig davon ab, welche Hypothesen und Zusammenhänge zuvor in das Modell eingebaut wurden. Deshalb könne ein Modell niemals die Wirklichkeit ersetzen. Wörtlich heißt es in der Erklärung: „To believe the outcome of a climate model is to believe what the model makers have put in.“ Nach Auffassung der Unterzeichner müsse die Klimaforschung künftig wieder deutlich stärker auf empirische Messungen und beobachtbare Daten setzen als auf langfristige Modellrechnungen (Quelle: World Climate Declaration, Clintel.nl).

Im Mittelpunkt von Clausers Vortrag stand deshalb die einfache Frage:

„Wo ist der empirische Beweis?“

Als konkretes Beispiel analysierte er den von der amerikanischen Wetterbehörde NOAA entwickelten U.S. Climate Extremes Index (CEI). Dieser Index wird unter anderem in einer Veröffentlichung von Jane Lubchenco und Thomas Karl in der Fachzeitschrift Physics Today (2012) verwendet und soll die Entwicklung extremer Wetterereignisse in den USA darstellen. Der Index kombiniert verschiedene Größen wie außergewöhnliche Hitze- und Kälteereignisse, Starkniederschläge, Dürren, Bodenfeuchte sowie Hurrikane zu einer einzigen Kennzahl (Quelle: Lubchenco & Karl, Physics Today, August 2012).

Clauser übernahm die Originaldaten dieses Climate Extremes Index und stellte fest, dass die Zeitreihe keineswegs einen gleichmäßigen oder eindeutig erkennbaren Anstieg zeigt. Bereits in den 1910er-, 1930er- und 1950er-Jahren treten ähnlich hohe oder sogar höhere Ausschläge auf als in vielen späteren Jahrzehnten. Vielmehr zeigt die Grafik über den gesamten Beobachtungszeitraum erhebliche natürliche Schwankungen. Ein stetiger, optisch klar erkennbarer Anstieg extremer Wetterereignisse lasse sich aus dieser Rohdatenreihe nach seiner Auffassung nicht ableiten.

Um diesen Punkt zu verdeutlichen, erstellte Clauser eine zweite Darstellung derselben Daten, bei der die Zeitachse lediglich spiegelverkehrt dargestellt wurde. Beide Diagramme wirken auf den ersten Blick nahezu identisch. Seine Schlussfolgerung lautet: Wenn selbst nach einer Spiegelung der Zeitreihe kein eindeutiger Trend sichtbar werde, könne diese Grafik kaum als offensichtlicher Beleg für eine dramatische Zunahme extremer Wetterereignisse dienen. Wörtlich fragte er sein Publikum: „Are you really willing to bet trillions of dollars that you can actually tell which graph predicts climate apocalypse?“ (Quelle: Vortrag John F. Clauser, Heartland Institute, April 2026).

Darüber hinaus kritisierte Clauser den Aufbau des Climate Extremes Index selbst. Der Index fasse sehr unterschiedliche Wetterphänomene – Hitze, Kälte, Starkregen, Trockenheit, Bodenfeuchte und Hurrikane – zu einer einzigen Kennzahl zusammen. Welche Ereignisse mit welcher Gewichtung in den Index einfließen, beeinflusse das Gesamtergebnis erheblich. Nach seiner Auffassung sei deshalb eine vollständige Transparenz über Methodik und Gewichtung unverzichtbar, wenn ein solcher Index als Grundlage weitreichender politischer Entscheidungen dienen solle.

Auch die World Climate Declaration äußert grundsätzliche Kritik an heutigen Klimamodellen. Nach Auffassung der Unterzeichner habe sich die Erde seit Beginn der Industrialisierung deutlich weniger erwärmt, als zahlreiche Modellrechnungen des IPCC vorhergesagt hätten. Die Differenz zwischen Modellprojektionen und tatsächlich gemessenen Temperaturen zeige, dass die Klimadynamik noch nicht vollständig verstanden sei. Wörtlich heißt es: „The world has warmed significantly less than predicted by IPCC on the basis of modeled anthropogenic forcing.“ (Quelle: World Climate Declaration, Clintel.nl).

Ein weiterer Schwerpunkt der Erklärung betrifft Kohlendioxid. Die Unterzeichner weisen darauf hin, dass CO₂ kein Schadstoff, sondern ein unverzichtbarer Bestandteil allen pflanzlichen Lebens sei. Photosynthese sei ohne Kohlendioxid unmöglich. Satellitenmessungen der vergangenen Jahrzehnte dokumentierten zudem eine deutliche Begrünung vieler Regionen der Erde, die zumindest teilweise auf den gestiegenen CO₂-Gehalt der Atmosphäre zurückgeführt werde. In der Erklärung heißt es daher: „CO₂ is not a pollutant. It is essential to all life on Earth.“(Quelle: World Climate Declaration, Clintel.nl).

Auch hinsichtlich extremer Wetterereignisse vertreten die Unterzeichner eine klare Position. Nach ihrer Auffassung gebe es bislang keinen belastbaren statistischen Nachweis dafür, dass Hurrikane, Überschwemmungen, Dürren oder vergleichbare Naturkatastrophen weltweit infolge der globalen Erwärmung häufiger oder intensiver geworden seien. Gleichzeitig weisen sie darauf hin, dass viele Maßnahmen zur CO₂-Reduktion erhebliche wirtschaftliche und gesellschaftliche Kosten verursachten, deren Nutzen kritisch überprüft werden müsse (Quelle: World Climate Declaration, Clintel.nl).

Die Erklärung endet mit der Forderung, dass Klimapolitik wissenschaftliche und ökonomische Realitäten gleichermaßen berücksichtigen müsse. Da nach Auffassung der Unterzeichner kein nachgewiesener Klimanotstand bestehe, gebe es auch keinen wissenschaftlichen Grund für Panik oder alarmistische Politik. Ziel müsse vielmehr eine sichere, zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung sein, die Wohlstand ermögliche und gleichzeitig den verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt fördere (Quelle: World Climate Declaration, Clintel.nl).

Unabhängig davon, ob man Clausers Schlussfolgerungen oder den Aussagen der World Climate Declaration zustimmt oder widerspricht, berühren sie einen zentralen wissenschaftlichen Grundsatz: Wissenschaft lebt von Transparenz, Überprüfbarkeit und der Möglichkeit, bestehende Theorien anhand neuer Daten jederzeit kritisch zu hinterfragen. Gerade weil politische Entscheidungen zur Energie-, Industrie- und Klimapolitik weltweit Investitionen in Billionenhöhe auslösen und tiefgreifende Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft haben, erscheint eine offene Diskussion über Datengrundlagen, Modelle und Unsicherheiten aus wissenschaftlicher Sicht grundsätzlich legitim und notwendig.

Quellen: John F. Clauser, Global warming, climate change, and scientific consensus have not been proven. There is no proven climate crisis, Vortrag auf der Heartland International Conference on Climate Change 2026; Jane Lubchenco & Thomas R. Karl, Predicting and Managing Extreme Weather Events, Physics Today, August 2012; World Climate Declaration, Climate Intelligence (CLINTEL), https://clintel.org/world-climate-declaration/.

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Adrian Kempf, Kirchzarten

 

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© Adrian Kempf, Kirchzarten im Dreisamtal

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