Was auf der Infoveranstaltung gesagt wurde – und was die Badische Zeitung daraus gemacht hat
Am 24. Januar 2026 fand in Günterstal eine Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative Windkraft Günterstal statt. Zwei Wissenschaftler – Prof. Dr. Nico Goldscheider (Hydrogeologe, KIT) und Prof. Dr. Eduard Heindl (Hochschule Furtwangen) – sprachen über die geplanten Windkraftanlagen rund um Günterstal und deren mögliche Auswirkungen auf Wasserressourcen, Wald, Umwelt, Energieversorgung und Kosten.
Die Badische Zeitung berichtete am 27. Januar darüber unter der Überschrift „Initiative will Windräder bei Freiburg-Günterstal verhindern – warum?“. Der Artikel vermittelt dabei jedoch ein verzerrtes Bild der Inhalte – und ersetzt fachliche Auseinandersetzung durch Framing.
Dieser Beitrag stellt die tatsächlichen Inhalte der Vorträge dar und ordnet die Darstellung der BZ kritisch ein.
1. Worum es auf der Veranstaltung tatsächlich ging
Die Veranstaltung war keine Anti-Windkraft-Kundgebung und kein politisches Bekenntnis. Sie war eine fachliche Informationsveranstaltung zu einem konkreten Ort mit besonderen naturräumlichen Voraussetzungen: Wald, Quellen, Trinkwasser, Schutzgebiete.
Prof. Goldscheider: Wasser, Wald und irreversible Eingriffe
Prof. Goldscheider sprach als Hydrogeologe über:
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die geringe Schutzfunktion der Grundwasserüberdeckung im Schwarzwald (laut LGRB),
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die hohe Verletzlichkeit von Quellen und Hangwassersystemen,
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irreversible Effekte durch Rodung, Bodenverdichtung und Zuwegung,
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reale Risiken durch Betriebsstoffe, PFAS, Betonlauge und Rückbau,
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sowie die Bedeutung des Waldes für Wasserqualität, Hochwasserdämpfung und Trockenresistenz.
Diese Punkte wurden nicht widerlegt, weder auf der Veranstaltung noch im BZ-Artikel. Stattdessen verweist die Zeitung auf Behördenaussagen wie „wird berücksichtigt“.
Berücksichtigt bedeutet jedoch nicht ausgeschlossen – und schon gar nicht risikofrei.
2. CO₂, Dunkelflaute und Systemrealität
Die BZ zitiert Goldscheiders Aussage:
„Windenergie leistet in Deutschland keinen realen Beitrag zur Vermeidung von CO₂-Emissionen.“
Diese Aussage wird im Artikel als „steil“ oder „falsch“ dargestellt – ohne sie sachlich zu widerlegen.
Fakt ist:
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In Deutschland wurde CO₂-freie Kernenergie durch Wind ersetzt, nicht Kohle.
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Bei Dunkelflauten (stunden- bis tagelang dokumentiert) liegt der Windanteil teils unter 1 %.
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In diesen Phasen liefern Kohle, Gas und Importe den Strom.
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Länder mit hohem Wasser- oder Kernenergieanteil (z. B. Frankreich, Schweiz, Skandinavien) haben deutlich niedrigere CO₂-Emissionen pro kWh als Deutschland – trotz geringerer Windanteile.
Das ist keine Ideologie, sondern öffentlich einsehbare Netz- und Emissionsdaten.
3. Prof. Heindl: Physik, Kosten und Netze
Prof. Heindl beleuchtete:
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die physikalische Abhängigkeit der Windleistung von der dritten Potenz der Windgeschwindigkeit,
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die schlechten Erträge in Schwachwindregionen wie dem Schwarzwald,
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die Notwendigkeit von Netzausbau, Speichern und Reservekraftwerken,
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sowie die daraus resultierenden Systemkosten, die in Erzeugungspreisen systematisch ausgeblendet werden.
Die BZ verweist dagegen auf Fraunhofer-Zahlen zu reinen Erzeugungskosten – genau das, was Heindl kritisiert hat.
Netze, Speicher, Abregelung und Subventionen tauchen dort nicht auf.
4. Personalisierung statt Argumente
(im Kommentarbereich)
Auffällig ist nicht der Artikel selbst, sondern das, was im Kommentarbereich passiert. Dort wird gezielt von der Sachebene auf Personen ausgewichen.
Statt Argumente zu entkräften, wird bei Prof. Goldscheider ein angeblicher Interessenkonflikt über seine Mitarbeit in einer sicherheitsbezogenen Expertengruppe insinuiert – ohne Beleg. Fachleute sitzen in solchen Gremien wegen ihrer Expertise, nicht als Lobbyisten.
Ähnlich bei Prof. Heindl: Seine Professur, berufliche Tätigkeit oder eine Patentanmeldung werden lächerlich gemacht, anstatt sich sachlich mit seinen Aussagen auseinanderzusetzen. Forschung lebt von Prüfung und Widerspruch, nicht von Gesinnungstests.
Wer Argumente nicht widerlegen kann, verlagert die Debatte auf Personen. Dass sich dieses Muster gehäuft im Kommentarbereich zeigt, wirkt nicht zufällig, sondern strategisch.
5. Was im Artikel fehlt
Der BZ-Artikel erwähnt nicht:
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die Vielzahl der Schutzgebiete (NSG, LSG, FFH, Vogelschutz, Biosphäre),
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die Nähe zu Quellfassungen und Trinkwassergewinnung,
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die Problematik von Rückbau, Brandszenarien und Schadstofffreisetzung,
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die Frage der dauerhaften Entwertung von Landschaftsräumen,
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oder die Tatsache, dass kritische Fragen nicht Windkraft an sich, sondern den Standort betreffen.
Stattdessen wird suggeriert, Kritik an Windkraft sei gleichbedeutend mit Klimaschutz-Leugnung. Das ist journalistisch unredlich.
Hinweis:
Grundlage dieser Analyse ist der Artikel der Badischen Zeitung vom 27.01.2026.
Leserinnen und Leser können sich hier selbst ein Bild machen, inwieweit der journalistische Fokus auf Etikettierung statt auf inhaltliche Auseinandersetzung gelegt wurde:
https://www.badische-zeitung.de/initiative-will-windraeder-bei-freiburg-guenterstal-verhindern-warum
6. Fazit
Die Veranstaltung in Günterstal hat gezeigt:
Kritische Fragen zum Ausbau der Windkraft sind keine Ideologie, sondern notwendiger Bestandteil verantwortungsvoller Planung – insbesondere in sensiblen Wald- und Quellgebieten.
Der Artikel der Badischen Zeitung hat diese Fragen nicht beantwortet, sondern umgedeutet.
Wer Akzeptanz für die Energiewende will, sollte Diskussionen nicht diskreditieren, sondern führen.
Transparenz entsteht nicht durch Etiketten – sondern durch Argumente.
Adrian Kempf
Sehr gut, Herr Kempf!
Danke für diese hervorragende Zusammenfassung
Hervorragend Herr Kempf!
Tatsachengetreue Stellung-nahme zur Veranstaltung am 24.1.26 in Günterstal, die die „EE“ als völlig veraltet entlarven und die Tür für wirtschaftliche, Ressourcen schonende Technologien öffnen.